LERNEN WILL GELERNT SEIN: WIE STUDENTEN   R I C H T I G  PAUKEN

 

Berlin (dpa/tmn) - Lernen ist mehr als stumpfes Pauken. Sich den Stoff immer wieder reinzuquälen, kann sogar mehr schaden als nutzen. Egal ob an der Uni die nächste Klausur ansteht oder die Examensprüfung: Es kommt nicht darauf an, viel zu lernen, sondern richtig.

 

Reiner Frontalunterricht gilt längst als Steinzeit-Didaktik. In der Uni wird das oft sträflich vernachlässigt. Vorlesungen laufen meist immer noch nach dem Prinzip ab: Einer redet, die anderen hören zu. Hinterher sitzen viele vor einem Bücherberg und versuchen, sich Prüfungswissen einzuhämmern. Das ändern Studenten besser, wenn sie vom Studium wirklich etwas haben wollen. Einige Tipps helfen.

 

N I C H T  nur vor Prüfungen pauken: Studenten dürften sich  N I C H T  nur von Klausur zu Klausur hangeln, wenn sie etwas lernen wollen, sagt die Studienberaterin Brigitte Reysen-Kostudis von der Freien Universität Berlin. Die Psychologin hat bei vielen Studenten ein neuartiges Krankheitsbild ausgemacht: das "Bulimie-Lernen". "Vor einer Prüfung fangen sie an, ganz viel Stoff in sich hineinzustopfen, um ihn dann weitgehend unverdaut wieder auszukotzen." Mehr bringe es, den Stoff regelmäßig durchzugehen und im Seminar mitzuarbeiten.

 

Wissen ist gut, verstehen ist besser: Mit bloßem Auswendiglernen kommt man  N I C H T  weit. Zwar ist Faktenwissen in Fächern wie Medizin das A und O. Aber auch hier sei ein Grundverständnis die Basis dafür, dass Fakten hängenbleiben, meint Reysen-Kostudis. "Es ist leichter, Formeln zu lernen, wenn man die Zusammenhänge verstanden hat." Auch stumpfes Wiederholen bringe wenig, sagt Prof. Werner Heister von der Fachhochschule Niederrhein in Krefeld, der dazu ein Buch geschrieben hat. Denn wer sich immer wieder dasselbe einzutrichtern versucht, hat innerlich längst abgeschaltet.

 

Auf Wiedergabe umschalten: Es ist die falsche Herangehensweise, sich den Stoff bloß reinzuziehen. Um ihn zu verarbeiten, ist neben der Aufnahme auch die Wiedergabe nötig. "Lesen alleine bewirkt nur eine sehr oberflächliche Einprägung", erklärt Prof. Martin Schuster, Lernexperte und Buchautor von der Uni Köln. "Man muss sich selbst abfragen, also den gelesenen Stoff aus dem Gedächtnis wiedergeben."

 

Darüber reden hilft: Wer nicht fragt, bleibt dumm - dieser Satz aus der Sesamstraße gilt auch in der Uni. Viele Erstsemester haben Reysen-Kostudis zufolge aber Angst, Fragen zu stellen, wenn sie etwas nicht verstehen. "Die denken dann: Was ich sage, ist bestimmt dumm." Darüber reden hilft beim Lernen aber.

 

Anschaulich machen: Visualisieren nützt, findet Werner Heister. Die sieben Einkunftsarten des Steuerrechts zum Beispiel ließen sich leichter lernen, wenn sie über eine Bilderkette verbunden oder in eine Geschichte verpackt werden. Sinnvoll sei es auch, Mind-Maps anzufertigen, ergänzt Martin Schuster. Ein solches "Sinngewebe" habe den Vorteil, dass eine bildhafte Struktur des Stoffes entsteht. Das ist anschaulich und macht Zusammenhänge auf einen Blick erkennbar.

 

Sacken lassen: Andauernd ohne Pause zu lernen, ist kontraproduktiv, sagt Martin Schuster. "Der Stoff muss sich setzen." Beim Lernen sollten Studenten daher pro Stunde mindestens 20 Minuten Pause einplanen. Die Gedächtnisleistung leide außerdem unter Schlafmangel. "Also ist es auch nicht sinnvoll, in die eigenen Schlafzeiten hineinzulernen."

 

Lerntagebuch anlegen

 

Der eine braucht zum Lernen absolute Ruhe, andere kommen mit ein bisschen Musik erst richtig in Schwung. Die passende Umgebung ist eine Typfrage, sagt Prof. Werner Heister. "Das muss man einfach ausprobieren." Dazu sollten Studenten sich ein "Lerntagebuch" anlegen. Darin notieren sie, wo und wie sie am besten lernen können - und sammeln so ihre persönlichen Erfolgsrezepte.

 

Literatur: Martin Schuster; Hans-Dieter Dumpertm, Besser Lernen, Springer, Euro 19,95, ISBN-13: 9783540293774; Brigitte Reysen-Kostudis, Leichter lernen, MVG, Euro 14,90, ISBN-13: 9783636062970; Werner Heister, Studieren mit Erfolg: Effizientes Lernen und Selbstmanagement, Schäffer-Poeschel, Euro 12,95, ISBN-13: 9783791028804. (Quelle: Web.de - Beruf - Bildung - 21.6.10

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