EIN TASTENDRUCK  V E R Ä N D E R T E  DIE WELT

 

Kommunikation: Kurznachricht feiert 175.  Geburtstag – Telegramm  V O R G Ä N G E R  der SMS


Vor 175 Jahren verschickten zwei Engländer das  E R S T E  ELEKTRISCHE Telegramm. Sie schoben damit eine ungeahnte Entwicklung an.

von Gabriel Jülke

Friesoythe - Wolfgang Letzel ächzt, als er das massive Gerät aus dem Schaukasten des Postgeschichtlichen Museums in Friesoythe hebt. „Gute deutsche Wertarbeit“, lächelt er und erklärt die eher unscheinbare Maschine. Ein Morsegerät sei es, Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut. Drückt man den kleinen Taster, schließt sich der Stromkreis. Der klobige Empfänger im weit entfernten Zielort schreibt die Stromstöße als Punkte und Striche auf ein Band – vor 175 Jahren war das eine Sensation. Genau am 25. Juli 1837 verschickten die beiden Engländer William Fothergill Cooke und Charles Wheatstone das erste Telegramm. Womit, kann man sich im postgeschichtlichen Museum in Friesoythe anschauen.


Elektrischer Morsecode

 

Gerade einmal 2,4 Kilometer betrug die Entfernung, die die Nachricht von Cooke und Wheatstone zurücklegte. Dennoch war sie eine 

W E L T N E U H E I T , auch wenn sich der Nadeltelegraf, den die beiden Engländer benutzten,  N I C H T  durchsetzte und von Samuel Morses elektromagnetischem Telegrafen 1944 schnell 

E R S E T Z T  wurde. Durch die Entwicklung des Morsecodes, bei dem die Buchstaben in Kombinationen aus Punkten und Strichen codiert sind, gilt Morse als Vater der elektrischen Telegrafie.

Die am Zielort empfangene Nachricht wurde vom Morser decodiert und dann von speziellen Boten noch am selben Tag zugestellt.

 

Da beim Versenden jedes Wort Geld kostete, bürgerte sich eine Kurzschrift – der Telegrammstil – ein. Dadurch entstanden viele Abkürzungen und teilweise sehr kuriose Sätze“, schmunzelt Letzel. Für SMS-Liebhaber  N I C H T S  Neues.

Zum Fundus des Museums gehören unzählige Telegramme, viele sind wegen der Abkürzungen heute schwer zu lesen. „Für die Empfänger war es  D A M A L S  bestimmt auch  N I C H T  einfach“, so Letzel.

 

Einzug in Friesoythe

 

In Oldenburg kam die Telegrafie erst 1856 an, Friesoythe erhielt seine Station sogar erst 1870. „Allerdings blieb die Telegrafie bis in die 1990er Jahre das Medium für schnelle Mitteilungen“ so Letzel. Spätere Morsegeräte ähnelten Schreibmaschinen mit ganz normalen Tastaturen.

Das charakteristische STOP in den Telegrammen kam übrigens erst mit dem Telefon auf: Gab man nämlich telefonisch ein Telegramm auf, sagte man Stop, um das Satzende zu signalisieren. Im Text wurde es durch ++++ ersetzt.

 

Die Telegrafie hielt sich lange, erst in den 1980er Jahren wurden Telegramme durch die aufkommenden Faxgeräte langsam abgelöst, die heutzutage wiederum größtenteils durch den E-Mail-Verkehr verdrängt werden.

Die Systeme werden zwar immer kleiner und leistungsstärker und  N E U E  Übertragungswege beschleunigen die Verfahren, doch die Kurznachricht hat sich  B I S  H E U T E  erhalten – lebt im „Short Message Service“ (SMS) weiter. Cooke, Wheatstone und Morse wären bestimmt fasziniert gewesen, was man alles in 160 Zeichen mitteilen kann. (Quelle: Nordwest Zeitung - 25.7.12)

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